Auf dem Rückweg von Berlin stoppt die Reichsbahn 35 Kilometer vor Gelsenkirchen. In offenen Autos fahren die Schalker Spieler durch die Dortmunder Innenstadt, werden von einer Menschenmenge umjubelt und tragen sich als erste Fußballmannschaft ins goldene Buch der Stadt Dortmund ein. Man glaubt es nicht, aber: „Es herrschte eine tiefe Sympathie zwischen beiden Vereinen“, so drückt es der ehemalige BVB-Sprecher und spätere Archivar, Gerd Kolbe aus.
Tiefe Sympathie? Nicht für immer. Die Wendepunkte im Verhältnis der beiden Vereine markieren die Jahre 1943, 1947 und die 50-er Jahre.
Im November 1943 gibt es nach bis dahin reihenweise „Packungen“ den ersten Sieg des BVB über den bislang dominierenden Rivalen, der erste Nationalspieler des BVB namens August Lenz schießt das 1:0-Siegtor. Nach Kriegsende entwickelt sich der BVB endgültig zum ernstzunehmenden Kontrahenten von Schalke 04. Bereits die erste Partie nach Kriegsende kann Borussia Dortmund für sich entscheiden und wird 1947 durch einen 3:2-Erfolg Westfalenmeister. Es folgt die Wachablösung in der Ära der Oberliga West und die beiden deutschen Fußballmeisterschaften des BVB in den Jahren 1956 und 1957. Zwar kontert Schalke 1958 und wird nochmals deutscher Meister, doch nach einer Schwächephase in den 70-er Jahren löst der BVB in der Folgezeit den Revier-Rivalen als Nummer 1 im Pott ab.
Drei Pokalsiegen des S04 stehen fünf Meisterschaften und der Gewinn der Champions-League beim BVB gegenüber. Die große Fußballfeindschaft zwischen Blau-Weiss und Schwarz-Gelb entwickelt sich erst in der Bundesliga, gespeist vom gegenseitigen Neid auf die Erfolge des anderen.